Programm

Ausgewählte Programmpunkte stehen als Video-Aufzeichnung zur Nachschau bereit.

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Beginn des Live-Streams

Begrüßung

  • Mag. Sandra Tretter, MAS Stv. Direktorin – Klimt-Foundation, Wien
  • Dr. Stefan Kutzenberger Co-Kurator – Salonreihe »Zwischen den Zeiten und Künsten«, Villa Toscana, Gmunden

Ein heiliger Frühling für die Kunst der Jungen. Die Metaphorik des Gartens in der Klimt-Gruppe

  • Dr. Anette Freytag O. Professorin für Geschichte und Theorie der Landschaftsarchitektur – Rutgers University, USA
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Kurzbiografie

Dr. Anette Freytag ist Professorin an der Rutgers University (USA). Sie forscht über Entwurfs- und Darstellungsmethoden sowie Szenographie in der Landschaftsarchitektur, mit Schwerpunkt Topologie, Phänomenologie und Biophilie. Ihr Gutachten für die Unterschutzstellung des Gartens des Palais Stoclet (2005) trug auch zur Eintragung des Ensembles in die UNESCO Welterbe Liste bei (2009). Anette Freytag hat in Wien, Berlin und Paris Kunstgeschichte studiert und später an der ETH Zürich promoviert.

Abstract

Als sich Gustav Klimt und Protagonisten der Wiener Werkstätte 1905 von der Wiener Secession lossagten, taten sie das auch deshalb, weil sie sich als wahre Wegbereiter einer neuen Kunst für die Jungen sahen. Sie wollten den anbrechenden ver sacrum nun endlich ihrer Vorstellung gemäß zum Blühen bringen. Der Vortrag wird darlegen, wie die Symbolik des Paradiesgartens und des Goldenen Zeitalters — in beiden herrscht ewiger Frühling — sowohl in den Kunstwerken von Gustav Klimt als auch in den Häusern, Gärten und Interieurs von Josef Hoffmann und der Wiener Werkstätte manifestiert sind. Ein Höhepunkt ist dabei der Lebensbaumfries (1905–1912) im Speisesaal des Palais Stoclet (1905–1911) in Brüssel. Die wichtige Rolle von Blumen und Gartenmotiven in der Arbeit der Künstler und Handwerker soll genauso beleuchtet werden, wie die Möglichkeit, die der Jugendstil dem jüdischen Großbürgertum als Identifikationsästhetik auf dem Weg zur gesellschaftlichen Emanzipation in der k. u. k. Monarchie bot.

Pause

»Die Frau in Weiß«. Gustav Klimts Porträt der Margaret Stonborough-Wittgenstein

  • Dr. Elisabeth Dutz Chefkuratorin Grafische Sammlung – Albertina, Wien
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Kurzbiografie

Symbolismus, Wien um 1900 sowie Expressionismus und Zwischenkriegszeit in Österreich. Ausstellungskuratorin und Autorin von Aufsätzen und Büchern zur österreichischen Kunst, Architektur und Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Ihre Dissertation schrieb sie über den Bildhauer Othmar Schimkowitz (1864-1947) und die Bauskulptur in Wien um 1900. Aktuell arbeitet sie am Online-Werkverzeichnis sämtlicher Zeichnungen von Gustav Klimt.

Abstract

Karl und Leopoldine Wittgenstein beauftragen Gustav Klimt im Jahr 1904, ein lebensgroßes Porträt ihrer Tochter Margarethe zu malen, die im Begriff ist, den amerikanischen Fabrikantensohn Jerome Stonborough zu heiraten. Um die Entstehung des Porträts ranken sich zahlreiche Mythen und Missverständnisse, die einem Faktencheck anhand von Tagebüchern, Briefen, zeitgenössischen Berichten, sowie durch Werkanalyse von Gemälde und Entwurfszeichnungen unterzogen werden. Eine wiederkehrende Erzählung spricht davon, dass Gustav Klimt um das Porträt „ringen“ musste, wie zahlreiche Stellungsstudien und Briefe des Künstlers belegen wollen. Es stellen sich zahlreiche Fragen, denen anhand des Quellenmaterials nachgegangen wird: Wie ist Gustav Klimts übliche Herangehensweise bei einem Porträtauftrag, und wie unterscheidet sich dies bei diesem Porträt? Was waren die Beweggründe, die Klimt veranlassten, das Gemälde später zu verändern? Welche Ansprüche stellten Karl und Leopoldine Wittgenstein an das Porträt ihrer Tochter? Gab es Vorgaben an den Künstler, und wurde dem Porträt schon ein bestimmter Platz in der Villa der Wittgensteins in der Wiener Alleegasse zugewiesen? Sollte Klimt das Porträt für diesen Ort schaffen? Konnte Klimt die Erwartungen der Auftraggeber erfüllen? Wie ist das Porträt im Kontext des zeitgenössischen Frauenporträts einzuordnen? Wie kam es zur Annahme, dass das Porträt der Porträtierten nicht gefiel? Wie wurde es in der Öffentlichkeit und von der Kritik beurteilt, als es in Ausstellungen in Berlin, Mannheim, Wien uns Rom - auf ausdrücklichen Wunsch Gustav Klimts – gezeigt wurde? Es werden die Entstehung, die Bedeutung und die Rezeptionsgeschichte des außergewöhnlichen Porträts rekonstruiert und interpretiert, sowie die Stationen des Werks von der Wiener Alleegasse über die Villa Toscana in Gmunden bis zur Neuen Pinakothek in München, wo es sich heute befindet, nachgezeichnet.

Kunsttechnologische Untersuchungen im Belvedere. Gustav Klimts Das Leben ein Kampf und sieben Landschaftsgemälde, die fast alle außerhalb des Ateliers entstanden

  • Stefanie Jahn, M.A. Leiterin Restaurierung – Belvedere, Wien
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Kurzbiografie

Stefanie Jahn arbeitete mehrere Jahre als Gesellin für Möbeltischlerin in Hamburg. Von 1996 bis 2001 studierte sie Restaurierung von Gemälden an der Universität der bildenden Künste in Budapest. Von 2001 bis 2005 war sie als freiberufliche Restauratorin in den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamts in Wien unter Doz. Manfred Koller beschäftigt. Von 2005 bis 2010 leitete sie die Werkstatt des Fachbereichs Gemälderestaurierung am Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien unter Prof. Gabriela Krist. Von 2010 bis 2013 war Stefanie Jahn Gemälderestauratorin im Belvedere, seit 2013 ist sie Leiterin der Abteilung Restaurierung im Belvedere.

Abstract

Leidenschaft und Künstlertum liegt bei Gustav Klimt auch verborgen in seiner Maltechnik. Der Blick hinter die „Kulissen“, durch die oberen Bildschichten, verdeutlicht sein Ringen um die Darstellung und den Anspruch an seine künstlerische Auffassung.

Wie untersucht und wie versteht man ein Klimt-Gemälde? Klimts Gemälde bestehen aus unterschiedlichsten Materialien, die er im Prozess der Entstehung des Kunstwerks spontan sowie rational einsetzte. Außergewöhnliche Umstände bei der technischen Ausführung kamen hinzu, wenn es um Werke geht, die Klimt auf Reisen und in der Natur malte.

Der Schlüssel zum Verständnis der Kunstwerke eines so vielseitigen Künstlers wie Gustav Klimt es war, wird gefunden durch systematisches und abstraktes Betrachten der einzelnen Materialien im Gemälde. Die Begutachtung von Material und Technik mit Auflicht-, Streiflicht-, Mikroskop- und Makroskop-Fotografie, mit ultravioletter Strahlung, Infrarotreflektografie und Röntgenstrahlung werden für jedes Gemälde in gleicher Weise vorgenommen. Hiermit erweitert sich auch die Möglichkeit Schadensphänomene zu erkennen und zu dokumentieren.

Sehen die Gemälde noch immer so aus, wie Gustav Klimt sie geschaffen hat? Verändert sich das ursprüngliche Aussehen eines Gemäldes seit seiner Fertigstellung durch den Künstler, können verschiedene Ursachen ausschlaggebend dafür verantwortlich sein: Eine fehlerhafte Herstellungstechnik, die Verarbeitung instabiler Materialien, ungünstige Klimabedingungen, geschichtliche Ereignisse (Kriege, Flucht, Raub, Aufbewahrung), Restaurierungen und Überarbeitungen durch Dritte.

Im Jahr 2023 bot sich die Gelegenheit das Gemälde Das Leben ist ein Kampf (Der goldene Ritter) von 1903, für das japanische Aichi Prefectural Museum of Art in Nagoya zu durchleuchten. Es konnte festgestellt werden, auf welche Weise Klimt das Gemälde eigenhändig veränderte. Die Verwendung verschiedener Metall-Verzierungen bringen die in vorwiegend dunklen Tönen angelegte Komposition zu überraschender Leuchtkraft. Das Gemälde befindet sich in stabilem Zustand, dennoch haben alte restauratorische Eingriffe Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild genommen.

Seit 2017 erfolgte im Belvedere die methodische kunsttechnologische Untersuchung von sieben Landschaftsgemälden von Gustav Klimt aus den Jahren 1906-1914. Die Landschaftsgemälde haben sich in den vergangenen über 100 Jahren durch unterschiedliche Ereignisse einerseits optisch, andererseits in der Stabilität der Malschichten verändert. Ein gleiches Schadensbild weisen alle Landschaften auf: Die Fragilität der Grundierung. Fragen zum Arbeitsprozess abseits des Ateliers und zur Veränderung des ursprünglichen Erscheinungsbildes werden zur Diskussion gestellt.

Mittagspause

Flöge & Klimt: A Family Affair. Neueste Forschungsergebnisse anlässlich des 150. Geburtstages von Emilie Flöge: Flöge und das Leben ihrer Familie nach Gustav Klimts Tod 1918

  • Paul H. Simpson, FCIM Autor – London
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Kurzbiografie

Geboren in London, Ausbildung an der Warlingham School. Studium „fine jewellery“ und Uhrmacherei bei Garrard & Company, Crown Jewellers in London. Danach verschiedene Managementpositionen bei der International Thomson Organisation. Gründer und CEO von Simpson Communications. Mitwirkender Autor in der Reihe Edition Klimt, Band 3 Gustav Klimt. Emilie Flöge – Reform der Mode, Inspiration der Kunst, veröffentlicht von der Klimt-Foundation, Wien. Fellow des Chartered Institute of Marketing und Mitglied der Society of Authors.

Abstract

Wäre Gustav Klimt nicht zu einem der meistgeschätzten Maler der Welt geworden, hätten wohl nur einige Kunstexperten und Historiker von Wien 1900 von Emilie Flöge gewusst. Sie war eine von drei Schwestern, die einen Modesalon besaßen, der mit seinen Haute-Couture-Entwürfen, die über dreißig Jahre lang die städtische Elite Wiens schmückten, Chanel, Poiret und Schiaparelli Konkurrenz machte.

Nach Gustav Klimts Tod im Jahr 1918 hinterließ Emilie Flöge nur wenige Spuren ihrer Beziehungen, abgesehen davon, dass sie die Verwalterin vieler seiner Gegenstände und Angelegenheiten war, die sie bis zu ihrem Tod 1952 in Wien sorgfältig hütete.

Die Gräber ihrer Familie waren verwaist, bis ein Besucher der Klimt'schen Frauenausstellung im Jahr 2000 beschloss, mehr über die Frau herauszufinden, die in den letzten drei Wochen seines Lebens Tag und Nacht an Klimts Krankenbett verbrachte.

Im Jahr 2012, dem 150. Jahrestag von Gustav Klimts Geburt, hielt Paul H. Simpson einen Vortrag über sein Buch "Flöge und Klimt - eine Familienangelegenheit" im Wien Museum. Weitere Recherchen führten zur Entdeckung weiterer Flöge-Kinder, eines verschollenen Klimt-Gemäldes und zu Interviews u.a. mit Alice Strobl, Wolfgang Fischer und dem ältesten noch lebenden Mitglied der Familie Flöge-Klimt.

Zwölf Jahre später, im Jahr 2024, dem 150. Geburtstag von Emilie Flöge, ist sein Buch ins Deutsche übersetzt und wird von der Klimt Foundation zur Veröffentlichung vorbereitet, die auch sein Forschungsarchiv in ihre Online-Datenbank über das Leben und Werk von Gustav Klimt integrieren wird.

Gustav Klimts »Modedamen«. Überlegungen zu einer bisher wenig beachteten Motivgruppe im Schaffen des Wiener Malers

  • Dr. Franz Smola Kurator Sammlung 19. und 20. Jahrhundert – Belvedere, Wien
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Kurzbiografie

geb. 1963 in Passau, Deutschland; Studium der Kunstgeschichte und Rechtswissenschaften an der Universität Wien, Studies on International Relations an der Johns Hopkins University in Bologna und Washington DC.; 1998 Promotion in Rechtswissenschaften zum Thema: Die Fürstlich Liechtensteinische Kunstsammlung. Rechtsfragen zur Verbringung der Sammlung von Wien nach Vaduz in den Jahren 1944/1945; 2001-2009 Sammlungskurator in der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien; 2009-2017 Sammlungskurator im Leopold Museum, Wien; 2013-15 interimistischer Museologischer Direktor des Leopold Museum; seit 2017 Sammlungskurator in der Österreichischen Galerie Belvedere, Wien; 2017 Promotion in Kunstgeschichte an der Universität Wien zum Thema: Der Maler Robin Christian Andersen (1890-1969). Leben und Werk. Mit einem Werkverzeichnis aller künstlerischen Arbeiten; Forschungsschwerpunkte: Kunst in Wien um 1900; Österreichische und Internationale Klassische Moderne

Autor und (Mit-)Herausgeber zahlreicher Kataloge und Publikationen, u. a.: Wien um 1900, Museo de Arte Reina Sofia, Madrid 1993; Österreichischer Expressionismus. Malerei und Grafik 1905-1925, Musée d´Ixelles, Brüssel 1998; Gartenlust. Der Garten in der Kunst, Belvedere, Wien 2007; Klimt persönlich. Bilder-Briefe-Einblicke, Leopold Museum, Wien 2012; Kokoschka. Das Ich im Brennpunkt, Leopold Museum, Wien 2013/14; Alberto Giacometti. Pionier der Moderne, Leopold Museum, Wien 2014/15; Gustav Klimt. Wienand's Kleine Reihe der Künstlerbiographien, Köln 2018; Wolfgang Paalen. Der österreichische Surrealist in Paris und Mexiko, Belvedere, Wien 2019/20; Klimt. La Secessione e l'Italia, Museo di Roma, Rom, 2021/2022; Viva Venezia! Die Erfindung Venedigs im 19. Jahrhundert, Belvedere, Wien 2022

Abstract

Gustav Klimts Berühmtheit ist untrennbar mit seinen Damenbildnissen verbunden. Mit ihnen hatte er bereits zu Lebzeiten ungeteilte Bewunderung erzielt. Dabei lassen sich Klimts Damenbildnisse in zwei große Gruppen einteilen. Zum einen umfassen sie die Darstellungen von Personen, deren Namen uns bekannt sind, etwa, weil die Bilder stets mit den Namen der dargestellten Personen betitelt wurden oder weil die Personen aus Klimts familiärem oder freundschaftlichem Umfeld stammen. Rund dreißig solcher Bildnisse schuf Klimt, entstanden in einem Zeitraum von etwa 1890 bis 1918.

Zum anderen gibt es innerhalb Klimts Damenbildnissen eine weitere Gruppe, bei denen die Namen der dargestellten Personen bis heute nicht bekannt sind. Zumeist handelt es sich dabei um die Darstellung von Berufsmodellen, die für Klimt arbeiteten und deren Namen Klimt nicht mit den Bildern in Verbindung brachte. Immerhin umfasst auch diese Gruppe von anonymen Bildnissen annähernd dreißig Werke, deren Entstehung sich gleichfalls über Klimts gesamte Schaffenszeit erstreckt. Vor allem in den späten 1890er Jahren, in den Jahren kurz vor 1910 und dann wieder in den letzten beiden Schaffensjahren finden sich solche Bildnisse gehäuft im Oeuvre des Künstlers. Neben den auf Leinwand gemalten Versionen tauchen Bildnisse von Modellen regelmäßig auch in Klimts zeichnerischem Oeuvre auf, wo sie neben den Aktdarstellungen sogar die umfangreichste motivische Gruppe in seinem grafischen Schaffen bilden.

Die Besonderheit dieser anonymen Bildnisse besteht darin, dass Klimt hier den Dargestellten regelmäßig ein ungewöhnlich modisches Outfit verleiht, das über jenes der namentlich bekannten Damenbildnisse weit hinausgeht. Die Damen scheinen geradezu in die Rolle von eleganten Models zu schlüpfen und für die neuste Damenmode zu werben; sie tragen die damals aktuellsten Kopfbedeckungen, kleiden sich in elegante Mäntel mit hochgeschlagenen Krägen, zeigen sich mit kunstvoll drapierten Schals und schmücken sich mit modischen Accessoires. Ihrem auffallenden Äußeren entspricht regelmäßig auch eine akzentuierte Körperhaltung, etwa eine prägnante Kopfwendung, gelegentlich auch ein affektierter Gesichtsausdruck; manchmal verdeckt Klimt auch Teile des Gesichts, um die Personen dadurch noch interessanter erscheinen zu lassen. Man kann diese Bildnisse wohl am ehesten mit dem Begriff „Modedamen“ umschreiben.

Erstmals werden in diesem Vortrag diese „Modedamen“ Klimts als eigene motivische Gruppe näher beleuchtet und ihre Besonderheiten aus vielen Blickwinkeln heraus reflektiert. In einzelnen Fällen wird auch versucht, die Identität der dargestellten Personen zu eruieren.

Abgesagt

Pause

Moriz Nähr: Fotografische Interferenzen zu Gustav Klimt und zur Familie Wittgenstein

  • Mag. Uwe Schögl Fotohistoriker – Bildarchiv und Grafiksammlung, Österreichische Nationalbibliothek, Wien
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Kurzbiografie

Kunsthistoriker, Bildwissenschaftler, Autor und Kurator. Arbeitet als Fotohistoriker im Bildarchiv und Graphiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Seit 2010 Geschäftsführender Präsident der Europäischen Gesellschaft für Geschichte der Fotografie (ESHPh) und Herausgeber der Zeitschrift PhotoResearcher (www.eshph.org). Lehrt seit 2006 als Senior Lecturer CP an der Donau-Universität Krems/Department für Bildwissenschaften. Kurator zahlreicher Ausstellungen und Autor zur Fotogeschichte (u.a. Moriz Nähr, Lucca Chmel, Ferdinand Schmutzer, Heinrich Kühn - Autochrome) und zur Kunst im 19./20. Jahrhundert. Aktuelles Forschungs- und Publikationsprojekt: "Fotografie im Kontext der Wiener Moderne um 1900".

Abstract

Moriz Nähr, der als bedeutendster Vertreter der fotografischen Erneuerungsbewegung um 1900 gilt, pflegte enge Kontakte zu Gustav Klimt und zu den Familienmitgliedern um Karl Wittgenstein. Mit Gustav Klimt verband ihn eine lebenslange Freundschaft und als „Familienfotograf“ der Wittgensteins entwickelte sich daraus bis in die späten 1920er Jahre ein Vertrauensverhältnis, besonders zum Philosophen Ludwig Wittgenstein. In diesem Netzwerk der Wiener Secession trafen sich in kunstästhetischen Kongruenzen die Moderne von Malerei, Raumkunst und Fotografie, aus der sich in synergetischen Wechselbeziehungen neue Formen der Bildsprachen entwickelten.

Einblicke in die Gustav Klimt-Datenbank und in das Moriz Nähr-Werkverzeichnis

  • Mag. Laura Erhold Wissenschaftliche Mitarbeiterin – Klimt-Foundation, Wien
  • Lucy Coatman, MLitt MA MA Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin – Klimt-Foundation, Wien
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Kurzbiografie

Mag. Laura Erhold

Laura Erhold studierte Kunstgeschichte an der Universität Wien und der Universidad Autónoma de Madrid. 2013 schloss sie ihr Studium mit der Diplomarbeit Die Passion Christi und ihre Inszenierung in den Straßen von Valladolid ab. Der Studienschwerpunkt lag auf der Spanischen Malerei des Siglo de Oro, der Österreichischen Malerei um 1900 und der Nachkriegszeit. Praktika bei Sotheby’s Wien (2013/14) und im Archiv des Wiener Künstlerhauses folgten. Im Zuge dessen Recherche zur Beteiligung österreichischer Künstler:innen an der Biennale Venedig. Kunstvermittlerin für das Künstlerhaus, Wien (2014/15) sowie 2014 – 2017 für die Albertina, Wien. Neben Führungen, war sie für die inhaltliche Konzepterstellung und Workshops zuständig. Anschließend Mitarbeiterin am Österreichischen Kulturforum Kiew (2017/18) und Absolvierung des Lehrgangs „Forum Kunstrecht“ an der Universität Wien. Seit Mai 2018 ist sie als Direktionsassistentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Klimt-Foundation tätig. Neben der organisatorischen Unterstützung in unterschiedlichen Bereichen liegt der redaktionelle Fokus bisher auf folgenden Projekten: Gustav Klimt-Datenbank, Edition Klimt: Gustav Klimt. Florale Welten, Neuauflagen der Edition Klimt: Gustav Klimt. Letztes Atelier 1911–1918 & Gustav Klimt. Sommerfrische am Attersee 1900–1916, Werkverzeichnis Moriz Nähr (1859–1945). Fotograf für Habsburg, Klimt und Wittgenstein

Lucy Coatman, MLitt MA MA

Lucy Coatman, MLitt MA MA ist Wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der Klimt-Foundation. Sie hat sich auf fotografische Porträts der Habsburger sowie auf Mayerling spezialisiert und hat zu diesen Themen publiziert und Vorträge gehalten. Lucy schreibt derzeit die erste englischsprachige Biographie der Baronin Mary Vetsera. Kürzlich arbeitete Lucy mit der französischen Fernsehsendung Secrets d'Histoire für deren kommende Episode über Mayerling und mit dem Scottish Ballet für dessen Produktion von The Scandal at Mayerling zusammen.

Vergoldeter Schokokuss oder knackige Wurst? Wie Gustav Klimt tafelte. Eine Annäherung.

  • Annette Ahrens, BA Kunsthistorikerin, Expertin für Tafelkultur – Wien
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Kurzbiografie

Annette Ahrens BA, Wien (* 1972 in Wien) ist eine österreichische Expertin für historische und aktuelle Tafelkultur. Sie ist zweisprachig (deutsch und tschechisch) aufgewachsen und studierte Ökonomie und Kunstgeschichte an der Universität in Prag und Wien. Sie forscht über und handelt mit Objekten aus Porzellan, Silber und Glas der vergangenen drei Jahrhunderte. Im Rahmen ihrer Tätigkeit für das Museum für angewandte Kunst (Wien), Liechtenstein Museum (Wien-Vaduz), Marton Museum (Zagreb), Musée national de céramique (Sèvres bei Paris) sowie das Kunstgewerbemuseum in Prag und Brünn erschienen zahlreiche Publikationen. Als Bindeglied zwischen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit und der Kenntnis des aktuellen Kunstmarktes gelang es Annette Ahrens für das PORZELLANMUSEUM IM AUGARTEN wichtige Privatsammlungen zu öffnen und als Leihgeber zu gewinnen als auch Ankäufe von qualitätsvollen Exponaten zu ermöglichen. Für Fotoshootings als auch das Eindecken historischer Tafeln für Filmprojekte tritt die begeisterte Köchin als wichtige Leihgeberin auf. Keinerlei Scheu für das Kochen nach historischen Rezepten als auch der Verwendung authentischer Tafelgeräte unterstreichen ihre zum Beruf gewordene Leidenschaft. Sie ist Gründerin und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Koch- und Tafelkultur.

Neue Überlegungen zu Klimts Musikzimmer Dumba

  • Christina Wimmer, M.A. Kunsthistorikerin – Regensburg
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Kurzbiografie

Christina Wimmer, M.A., arbeitet seit 2022 freiberuflich für die Kunstsammlungen des Bistums Regensburg. Zudem befindet sie sich gerade in der Endphase ihrer Dissertation über die Ausstattung von Musikzimmern im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Von 2019 bis 2021 arbeitete sie an der Ausstellung „Apostel für die Schönheit“. Max Schultze (1845-1926) als Architekt, Künstler, Alpinist, Natur- und Heimatschützer“ mit, die 2021 in der Regensburger Städtischen Galerie im Leeren Beutel zu sehen war (www. maxschultze.de). Wimmer absolvierte Praktika beim Verband Deutscher Kunsthistoriker, beim Kunstforum Ostdeutsche Galerie und der Universitätsbibliothek Regensburg und war mehrmals als Gästeführerin am Tag des offenen Denkmals tätig. Ihre Forschung ist auf die Kunst von der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bis zur 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert, u. a. auf Malerei, Villenbau, Raumausstattung, Wohnkultur und die Beziehung zwischen bildender Kunst und Musik, besonders um 1900.

Abstract

Musikzimmer (engl. music room, frz. salon de musique), also private Räume in Wohnbauten, die ausschließlich der Musik dienten, waren nach einer ersten Blütezeit in der Frühen Neuzeit besonders um 1900 vor dem Hintergrund der Salonkultur weit verbreitet: sie gehörten nicht nur zum Raumprogramm großbürgerlicher Villen, in denen sie häufig den prachtvollsten und wichtigsten Raum des Hauses darstellten, sondern wurden auch auf Ausstellungen oder Galerien präsentiert und in Kunstzeitschriften und Heimberatern besprochen, wobei sie auch als Musiksalon, Musiksaal oder Musikraum bezeichnet wurden. Durch ihre Unterscheidung etwa von multifunktionalen Salons waren Musikzimmer in spezieller Weise für Künstler:innen dazu geeignet, Räume zu schaffen und zu dekorieren, die sowohl architektonisch als auch bezüglich der Ausstattung mit Gemälden ganz auf die Musik abgestimmt waren. Auch in der Musikstadt Wien gab es viele solcher Räume, entworfen etwa von Auchentaller, Frank, Hoffmann, Loos, Mackintosh, Moser, Olbrich, Seligmann, Witzmann u. a. Eines der bekanntesten Beispiele überhaupt stellt Gustav Klimts Musiksalon im Palais des Kunstmäzens Nikolaus Dumba (1898/99) dar, der im Oeuvre des Malers den Übergang vom frühen zum reifen Werk markiert. Zudem handelt es sich um die einzige „totale“ Raumgestaltung Klimts. Wie schon im Haus Theodor Billroths oder im Palais Karl Wittgensteins, waren im Palais Dumba Johannes Brahms und weitere Komponisten bei Salonveranstaltungen zu Gast. Besonders die populäre Supraporte „Schubert am Klavier“ wurde zwar in der bisherigen Forschung - nicht nur von Kunsthistoriker:innen, sondern auch von Musikwissenschaftler:innen - häufig besprochen, aber wie die Raumgestaltung insgesamt und die zweite Supraporte „Die Musik“ kaum kontextualisiert. Deshalb sollen andere Musikzimmer der Zeit im neoklassizistischen Stil oder mit einem Bildprogramm aus Komponistenporträts und/oder Musikallegorien sowie Tafelgemälde, Graphiken und Trivialkunst mit einer ähnlichen Ikonographie zum Vergleich herangezogen werden. Auch die Verehrung Schuberts um 1900 muss thematisiert werden. So kann die herausgehobene Stellung von Klimts Musiksalon Dumba herausgearbeitet werden.

Schlussdiskussion & Ausblick

  • Mag. Sandra Tretter, MAS Stv. Direktorin – Klimt-Foundation, Wien

Alle Zeitangaben verstehen sich in mitteleuropäischer Zeit (MEZ).